Behördenirrsinn?

Während meiner Kur habe ich erlebt, wie das Egronetticket gefördert wird: Gar nicht. 

Den Fall habe ich den säschsischen Verkehrsminister geschildert, er ist schliesslich am Schreibtisch vom Landkreis Wunsiedel gelandet.

Wir haben Ihre Anfrage, die über das Sächsische Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung an uns herangetragen wurde, erhalten und geprüft. Seit dem 01.01.2025 ist der Landkreis Wunsiedel der Geschäftsbesorger des EgroNet und hat damit den Vogtländer Verkehrsverbund in dieser Funktion abgelöst. Die von Ihnen angesprochene Preisdifferenz ist uns daher bekannt.

Zunächst ist festzuhalten, dass es sich beim EgroNet-Ticket um ein grenzüberschreitendes Gemeinschaftsprodukt mehrerer Verkehrsverbünde und Aufgabenträger in Deutschland und Tschechien handelt. Die Tarifgestaltung unterliegt dabei unterschiedlichen nationalen Rahmenbedingungen, Finanzierungsstrukturen und politischen Vorgaben. Insbesondere in Tschechien wird der Schienenpersonennahverkehr deutlich stärker öffentlich kofinanziert, was niedrigere Endkundenpreise ermöglicht. In Deutschland hingegen wirken sich föderale Zuständigkeiten, Verbundstrukturen und begrenzte Ausgleichsmechanismen unmittelbar auf das Preisniveau aus.

Die von Ihnen angeführte Preisdifferenz ist die direkte Folge grundlegend unterschiedlicher verkehrspolitischer, finanzieller und rechtlicher Rahmenbedingungen in Deutschland und Tschechien. Ein unmittelbarer Preisvergleich ist daher nur unter Berücksichtigung dieser Faktoren sachgerecht.

Der höhere Preis auf deutscher Seite ist daher Ergebnis gesetzlicher Vorgaben, vertraglicher Bindungen und einer anderen Finanzierungslogik. Eine einseitige Absenkung des Preises ohne entsprechenden finanziellen Ausgleich wäre rechtlich nicht zulässig und wirtschaftlich nicht tragfähig.

Die Nachfrageentwicklung im EgroNet hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, darunter Angebotsqualität, Taktung, Reisezeit, Fahrzeugstandard, touristische Vermarktung und individuelle Mobilitätsbedürfnisse. Preisunterschiede bei grenzüberschreitenden Angeboten sind gleichwohl erklärungsbedürftig sind. Im Rahmen eines INTERREG-Projektes zur Weiterentwicklung des EgroNet wird sich eine separate Arbeitsgruppe in den kommenden eineinhalb Jahren mit tariflichen Fragestellungen befassen.

Zusammenfassend halte ich fest:

Die Preisstruktur des EgroNet-Tickets ist sachlich begründet, rechtlich abgesichert und Ergebnis unterschiedlicher nationaler Systeme, was also nicht Ausdruck von Benachteiligung, Diskriminierung oder Systemversagen ist. Eine Harmonisierung der Preise kann ausschließlich auf politischer Ebene und unter veränderten Finanzierungsbedingungen erfolgen.

Wer diese Website liest, versteht sicherlich, dass ich aufgebracht bin. Jetzt fliessen Fördergelder, und es bestehen Arbeitsgruppen, wo doch die Probleme offensichtlich sind. Meine Expertise wird ignoriert, die Kontakte abgewiesen. 

Hier die harten Fakten zur INTERREG-Förderung, welche das absurde System der EU Förderung unterstreichen:

Das „EgroNet-Kooperation“ Projekt (Fakten-Check)

Es wurde ein INTERREG-Projekt bewilligt.

  • Budget: Rund 130.000 Euro Gesamtkosten (davon ca. 86.000 Euro EU-Fördermittel allein für den Landkreis Wunsiedel).
  • Laufzeit: 28 Monate (also über 2 Jahre).
  • Zweck laut Förderantrag: „Organisationsentwicklung“, „Harmonisierung der Strukturen“, „Aufbau der Tarifstruktur“ und „Marketingstrategie“.

Die Pointe: Während man 130.000 Euro ausgibt, um über zwei Jahre lang in Arbeitsgruppen über „Tarifstrukturen“ zu reden, bleibt das Ticket für die Menschen unbezahlbar. Das Geld fliesst in Personalkosten und Sitzungen, statt in die Stützung des Ticketpreises.

Der krasse Preis-Check (Stand 2026)

Eine Schätzung von 12 Euro könnte was bewirken.
Es sieht so aus:

LandPreis EgroNet-Ticket (1 Person)Umgerechnet in Euro
Tschechien (IDOK/CD)200 CZKca. 8,00 €
Deutschland (VGN/Vogtland)32,00 €32,00 €
Differenz+ 300 % Aufschlag in DE


Nach 15 Jahren Dialog mit Behörden, die Kommunikation als reine Vermeidungsstrategie begreifen, ist die Zeit der Höflichkeit vorbei. Die Antwort des Landkreises Wunsiedel ist eine Bankrotterklärung an die europäische Idee und den gesunden Menschenverstand.


Man vertröstet mich auf ein Projekt, das über 130.000 Euro verschlingt und 28 Monate dauert. Wofür? Um in Arbeitsgruppen über ‚Tarifharmonisierung‘ zu philosophieren. Während diese Gelder in Verwaltungen und Marketing fließen, zahlt der deutsche Fahrgast 32 Euro für ein Ticket, das auf der tschechischen Seite für 200 CZK (ca. 8 Euro) verkauft wird. Das ist ein Aufschlag von 300 % für exakt dieselbe Leistung!

Milchmädchenrechnung der Behörde vs. wirtschaftliche Realität:

Sie behaupten, niedrigere Preise seien ‚wirtschaftlich nicht tragfähig‘. Ich halte dagegen:

  • Behörden-Logik: 100 verkaufte Tickets zu 32 € = 3.200 €. Die Züge bleiben leer, die Mobilitätswende scheitert, aber die Statistik ist ’sauber‘.
  • Markt-Logik: 1.000 verkaufte Tickets zu 12 € (oder gar 8 €) = 12.000 €. Die Züge sind besser ausgelastet, die Region wird belebt, der Umsatz vervielfacht sich.

Die Kapazitäten wären da. Die Züge fahren sowieso. Dass sie 1,5 Jahre eine ‚Arbeitsgruppe‘ benötigen, um zu verstehen, dass ein vierfacher Preis die Nachfrage tötet, unterstreicht meine Kritik: Hier wird Inkompetenz mit EU-Fördergeldern finanziert. Zudem existiert ja noch das DeutschlandTicket, aber auch hier sollen höhere Preise den ÖPNV in den Regionen fördern.

Anstatt 130.000 Euro für Sitzungen zu verpulvern, sollten Sie diese Gelder für echtes Marketing nutzen, und das bedeutet, den Preis sofort zu senken. Aber dazu fehlen Ihnen nicht die finanziellen Mittel, sondern der Mut und Wille. Wer Kommunikation aussitzt und Bürger ignoriert, verdient nicht den Titel einer Servicebehörde, sondern ist reine Geldverschwendung.

Und wetten, würde das Egronet-Ticket eine Woche lang gratis sein, so wüsste auch ein Grossteil der Bevölkerung davon.

Frischer Wind von der f.re.e München

Auf der Reisemesse f.re.e in München habe ich bewusst das Gespräch gesucht. Mein Ziel? Verstehen, weshalb es manchmal so hakt, um auch klarzumachen, wie viel für uns auf dem Spiel steht. Die Diskussionen sind intensiv gewesen und haben gezeigt, dass wir hier nicht nur über Papier und Plastik reden, sondern über die Lebensqualität in unserer Heimat.

Was wir jetzt wirklich im Blick behalten sollten:

  • Rettung in letzter Sekunde: Es war erschreckend zu hören, dass das EgroNet-Ticket fast gestorben wäre. Dass dieser Grundpfeiler unserer Mobilität überhaupt zur Disposition stand, zeigt, wie fragil das System ist. Wir dürfen nicht nur bewahren, wir müssen verbessern!
  • Alle an einen Tisch – egal wie schwer es ist: Ja, es ist mühsam, alle Partner ins Boot zu holen. Aber „komplex“ darf keine Ausrede für Stillstand sein. Unsere Region braucht Einigkeit, keinen Flickenteppich an Zuständigkeiten.
  • Eine echte Chance für unsere Heimat: Ein ideales Ticket wäre ein Turbo für den Tourismus. Wir haben hier eine wunderschöne Region. Warum machen wir es den Gästen (und uns selbst) so schwer, sie einfach und nachhaltig zu entdecken?
  • An der Realität vorbei? Es schmerzt, zu sehen, dass Gelder aufgrund starrer EU-Vorgaben oft nicht dort landen, wo sie den größten Effekt hätten; beispielsweise in einem starken Marketing, das die Menschen auch wirklich erreicht. Wir brauchen Lösungen, die für die Bürger funktionieren, nicht nur für entsprechende Akten.

Fazit

Warten wir zunächst ab, was weiter geschieht. Aber eines ist nach diesen Gesprächen klarer denn je: Im ÖPNV unserer Region „brennt die Hütte“. Es herrscht absolute Einhelligkeit darüber, dass es so nicht bleiben kann. Wir bleiben dran – hartnäckig und mit Leidenschaft!

Vielleicht komme ich öfters in die Region. Vielleicht gibt es den frischen Wind.